Aus- und Weiterbildung optimal finanzieren

eingestellt von Carolin Berger am 2. Dezember 2019

Aus- und Weiterbildung optimal finanzieren

So wird Ihre Ausbildung zum Sprungbrett, nicht zur Schuldenfalle

Das lebenslange Lernen ist etwas sehr Persönliches: Es findet sich genauso im Abitur an der Abendschule wieder, wie im Sprachkurs oder in einer Webdesign-Fortbildung. Wir erklären, warum die Aus- und Weiterbildung wichtiger ist, als jemals zuvor – und wie Sie das ohne große Rücklagen finanzieren.

Von wem holen Sie sich Karrieretipps? Von Ihren Eltern, von Freunden? Vielleicht auch aus dem Internet? Probieren Sie es doch einmal mit  Theodore Roosevelt. Die Amtszeit des ehemaligen US-Präsidenten liegt zwar schon rund 110 Jahre (1901 – 1909)  zurück. Aber der Mann hatte schon damals eine Sache verinnerlicht, die unseren gegenwärtigen Arbeitsmarkt bestimmt: das lebenslange Lernen.

Roosevelt soll in guten Phasen ein Buch pro Tag gelesen haben – wohl deutlich mehr, als der gegenwärtige Anführer der freien Welt. Biographen sind sich einig, Roosevelt war mit so viel Wissen ausgestattet, dass er mit jedem über alles sprechen konnte. Über die Entwicklungen der Schifffahrt im Nordatlantik, die Lebenswirklichkeit einer Putzfrau oder über Judo. Er betrieb den Sport sogar selbst.

Roosevelt war so etwas wie der Prototyp des lebenslangen Lerners. Für ihn war das Lernen eine Sache, die er genoss. Gleichzeitig ebnete es ihm den Weg für seine Karriere, sogar auf den berühmten Mount Rushmore hat er es geschafft. Und in den vergangenen rund 110 Jahren hat auch das lebenslange Lernen selbst Karriere gemacht. Heute zählt es zu den wichtigsten Fähigkeiten, die wir im Beruf haben können.

Was bedeutet lebenslanges Lernen für Sie?

Das lebenslange Lernen ist etwas sehr Persönliches: Es kann darum gehen, sich weiterzuentwickeln, einen Traum zu verfolgen oder vielleicht auch etwas nachzuholen. Das Lernen findet sich also genauso im Abitur an der Abendschule wieder, wie im Sprachkurs oder in einer Webdesign-Fortbildung.

Und es wird immer wichtiger. Der Economist schreibt, dass es in der modernen Arbeitswelt zukünftig besonders viele Veränderungen und Trendwenden geben wird. Technologien werden sich schneller erneuern. Und dafür brauchen Menschen im besten Fall das passende Können. So wird es in unseren Lebensläufen wahrscheinlich mehrere Richtungswechsel und Umbrüche geben. Das Rüstzeug dafür holen wir uns zu einem großen Teil über Aus- und Weiterbildung.

Lebenslanges Lernen und die Frage der Finanzierung

Die Chance auf Bildung sollte allen Menschen offenstehen. Doch viele Industrieländer kämpfen mit dem Problem, dass Bildung oft von materiellen und immateriellen Privilegien abhängt. Der Preis fürs Lernen kann abschreckend wirken. Das muss gar nicht ein Studium sein. Auch eine Zusatzausbildung für einen UX-Designer fängt bei rund 5.000 Euro an, und bei einem Fernlehrgang zum Ernährungsberater können ein paar Tausend Euro für Kursgebühren, Materialien und Fahrt- oder Übernachtungskosten zusammenkommen.

Aber wie funktioniert lebenslanges Lernen auch ohne finanzielles Polster? Und wann ist die Lösung per Kredit eine Alternative?

Das sollten Sie tun, bevor Sie einen Kredit aufnehmen

Prüfen Sie zuerst Förderungen, Stipendien und eine Lösung durch Nebenjobs. Im zweiten Schritt können Sie auch über Bildungskredite (gelten für volljährige Schüler mit berufsqualifizierendem Abschluss, Auszubildende und Studenten), Studienkredite (gelten ausschließlich für Studenten) oder Privatkredite (haben keine Bindung an die Art der Ausbildung) nachdenken. Jedoch sollten Sie genau darauf achten, wie viele Kosten Sie per Kredit abdecken wollen. Denn wer sich zum Beispiel das komplette Studium per Darlehen finanziert, kann schnurstracks in eine Schuldenfalle spazieren.

Arbeitnehmer können sich beispielsweise einen Teil der Bildungskosten vom Chef oder vom Staat finanzieren lassen. Wer vor seinen Vorgesetzten tritt und konkret erklärt, dass eine Weiterbildung auch dem Unternehmen nützt, hat gute Chancen auf eine Kostenbeteiligung und Gewährung von Sonderurlaub für die neue Ausbildung.

Auch Bildungsurlaub lässt sich beantragen, je nach Bundesland meist zwischen fünf und zehn Tagen über einen Zeitraum von zwei Jahren. Das würde beispielsweise für einen Sprachkurs in Spanien reichen.

Im besten Fall beteiligt sich der Arbeitgeber sogar an einem Hochschulstudium. Natürlich sollte dann beachtet werden, dass man sich damit oft auch länger an das eigene Unternehmen bindet, damit der Boss weiß: ich habe etwas von der Ausbildungs-Finanzierung.

Sollte dieser Weg nicht funktionieren, lohnt es sich auch nach staatlichen Zuschüssen zu schauen. Für Angestellte und Selbstständige kann das die Bildungsprämie sein. Der Staat zahlt dann maximal 500 Euro als Zuschuss für eine Weiterbildung. Jedoch darf man nicht mehr als 20.000 Euro pro Jahr als Einkommen versteuern.

Wer derzeit ohne Job ist, für den kann der Bildungsgutschein infrage kommen, welcher die gesamten Kosten übernimmt. Jedoch muss vorher bei der Arbeitsagentur glaubhaft vorgetragen werden, dass die Weiterbildung die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert.

BAföG gibt es nicht nur für Studenten

Außerdem gibt es BAföG nicht nur für Studenten, sondern auch für Menschen, die eine Meisterprüfung ablegen, eine Technikerausbildung absolvieren oder Fachwirt werden wollen.

Der Staat gibt für das Aufstiegs-BAföG einen Kredit in Höhe von bis zu 15.000 Euro. Den muss man aber nicht komplett zurückzahlen: Denn der Staat beteiligt sich mit einem Zuschuss von 40 Prozent an der Kreditsumme.  Für Studenten wird die Finanzspritze zur Hälfte als Darlehen und zur anderen Hälfte als Zuschuss gewährt. Zurückzahlen müssen Sie am Ende auch hier nur den Darlehensanteil, und das sind maximal 10.000 Euro.

Wenn Arbeitnehmer ihre Ausbildung mit sehr guten Noten abgeschlossen haben, können sie sich für ein Aufstiegsstipendium bewerben. Das Stipendium finanziert ein Hochschulstudium mit 670 Euro pro Monat, dazu kommen 80 Euro für Lehrmaterialien. Zurückzahlen müssen die Stipendiaten nichts.

Wer noch jünger als 25 Jahre ist und hervorragende Arbeit in seinem Beruf oder seiner Ausbildung  leistet, kann außerdem ein Weiterbildungsstipendium beantragen. Mit einer Eigenbeteiligung von zehn Prozent zahlt der Staat dann zur Unterstützung bis zu 6.000 Euro.

Zudem lohnt sich auch ein Blick auf private Stipendien. Lassen Sie sich nicht von der landläufig verbreiteten Meinung abschrecken, dass nur Überflieger an diese Förderungen kommen. Den deutschen Stiftungsindex sollten Sie zumindest einmal durchgehen. Auch die Stiftung Begabtenförderung Berufliche Bildung sollten Sie im Internet ansurfen.

Auch beachtenswert: Ausbildungskosten können Sie als Sonderausgaben oder Werbungskosten von der Steuer absetzen.

Was Sie bei einem Kredit beachten müssen

Wenn Sie alle Möglichkeiten geprüft haben, stellen Sie vielleicht für sich fest: die eingangs genannten Wege kommen für mich nicht infrage. Oder ich kann einen Teil der Kosten nicht decken.

Dann können Sie checken, ob Sie ein Darlehen aufnehmen wollen. Als erstes sollten Sie prüfen: Gibt es Kredite, die besonders gute Konditionen haben und später nur anteilig zurückbezahlt werden? So funktioniert es zum Beispiel beim BAföG. Ebenso werden Kredite der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau), die mit mehreren Sparkassen kooperiert, gefördert und haben deswegen günstige Konditionen.

Dann gibt es noch den Privatkredit. Der eignet sich womöglich bei Lehrgängen, die preislich im unteren bis mittleren vierstelligen Bereich liegen. Den Kredit können Sie nicht nur unkompliziert bekommen, sondern ihn möglicherweise auch per Sondertilgung vorzeitig abbezahlen (das geht übrigens auch beim Bildungs- und Studienkredit) Jedoch müssen Sie bei Privatkrediten auch höhere Zinssätze in Kauf nehmen als bei geförderten Krediten.

 

Auch diese Dinge sind beim Kredit wichtig

In jedem Fall müssen Sie über Laufzeit und Zeitpunkt des Kredits nachdenken. Bei einem Studium sollte man beispielsweise genau darauf achten, wie lange man einen Kredit wirklich braucht. Fürs ganze Studium? Oder nur für die Endphase? Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), welches jährlich über 40 Studienkredite und Bildungsfonds vergleicht, rät sogar: „So wenig Kredit aufnehmen wie möglich, aber immer so viel wie für ein reibungsloses Studium erforderlich“.

Wenn Sie die Kredit-Angebote vergleichen, ist nicht nur der Zinssatz entscheidend. Bei Ihrem Darlehen sollten Sie auch auf die sogenannte Ruhephase achten. Diese gibt Ihnen Zeit, sich nach der Aus- oder Weiterbildung finanziell zu stabilisieren. Prüfen Sie: Wann muss ich die erste Rückzahlung leisten? Das kann manchmal ein Jahr nach Kreditablauf sein, aber auch zwei Jahre sind nicht unüblich. Jedoch müssen Sie im Blick behalten, dass dann die Rückzahlungen nicht zu hoch geraten. Privatkredite bieten diese Möglichkeit in der Regel nicht.

Wichtig ist auch, dass die Zinsen des Kredites während der Auszahlungsphase gestundet werden. Das ist zum Beispiel bei Studienkrediten üblich.

Natürlich können Sie auch zusätzlich zum Kredit die bereits erwähnten Förderungen und Stipendien beantragen, um Ihre Kosten zu senken. Eine Aus- und Weiterbildung kann vom Aufwand her ein Vollzeitjob sein. Trotzdem kann ein Nebenjob, der thematisch nahe an der Weiterbildung liegt, sich im  Lebenslauf gut machen und den Kreditbedarf (und damit auch die Kosten) ebenfalls senken. Auch der Lebensstandard ist in Aus- und Weiterbildungsphasen natürlich nicht so gehoben wie bei Berufstätigen,  die sich ausschließlich auf ihren Job konzentrieren. Einsparpotenzial beim Lebensstil muss jedoch jeder für sich selbst erörtern. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch.

Diesen Fehler sollten Sie nicht machen

Am Ende ist vor allem das Motiv ausschlaggebend, das hinter dem Ausbildungswunsch steckt. Wer sein Ziel klar ins Auge gefasst hat und dann einen Kredit zu Hilfe nimmt, um es zu erreichen, der tätigt wahrscheinlich eine gute Investition.

Dabei sollte man jedoch unbedingt die Verhältnismäßigkeit des Kredits beachten. Wenn die finanzielle Belastung durch den Kredit zu groß ist, besteht womöglich auch die Gefahr, dass junge Leute nach der Ausbildung nicht Jobs annehmen, die sie ausfüllen. Sondern nur solche, um den Kredit zurückzubezahlen.

Das Lernen als Erfolg

Lebenslanges Lernen bedeutet für jeden etwas anderes. Einige Pädagogen kritisieren sogar, dass der Begriff viel zu viele Dinge auf einmal umfassen würde. Zu unscharf seien beispielsweise die Unterschiede zwischen lebenslangem, lebensbegleitendem Lernen und Erwachsenenbildung. Es ist also auch ein Stück weit an uns, den Teil des lebenslangen Lernens, der uns betrifft, zu verfolgen und einzufordern. Egal, ob das lebenslange Lernen für uns aktives Altern bedeutet, wir einen Traum verwirklichen wollen oder nur leidenschaftlich neugierig sind.

Roosevelt hatte es schon vor langer Zeit erkannt: Ein Leben voller Lernerlebnisse ist schon für sich allein ein Erfolg.

 

 

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