Optimismus am Kapitalmarkt
Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
Frankfurt, 17. April 2026
Über weite Strecken war die abgelaufene Handelswoche eine Woche der Erholung. Die Aktienmärkte in den USA, Europa und Asien setzten ihre Anfang des Monats begonnene Aufwärtsbewegung fort. In den USA wurde die Bewegung stark von Technologieaktien getrieben, die in den vergangenen Wochen etwas unter die Räder gekommen waren. Die Renditen von Anleihen gingen leicht zurück, was auch in diesem Marktsegment eine Entspannung andeutet. Der US-Dollar gab einen Großteil seiner Kursgewinne gegenüber dem Euro seit Beginn des Iran-Kriegs wieder ab. Der Goldpreis stieg erneut an, und selbst der Bitcoin zeigte wieder Lebenszeichen. All dies sind Bewegungen, die die Kapitalmärkte erneut auf die Stände von vor dem Iran-Krieg zurückführen. Hier wiederholt sich ein Muster, das auch im Umfeld der Zollankündigungen der Regierung Trump im vergangenen Jahr zu beobachten war: Zunächst eine ausgeprägte Risikoaversion, die sich in sinkenden Aktien- und Anleihekursen widerspiegelt, dann eine deutliche Gegenbewegung an den Kapitalmärkten. Der Hintergrund ist jeweils die Erkenntnis, dass die jeweiligen Schocks nicht groß genug sind, um die Weltwirtschaft aus ihrer Bahn zu werfen. Dies ist gerade in der gegenwärtigen Situation bemerkenswert, da eine Öffnung der Straße von Hormus nach wie vor nicht absehbar ist. Zwar gab es wohl Verhandlungsfortschritte, insbesondere Friedensgespräche zwischen Israel und dem Libanon, aber über Ankündigungen und Kommentierungen des US-Präsidenten hinaus liegen noch keine konkreten Ergebnisse vor. Die Arbeitshypothese der Kapitalmarktteilnehmer lautet, dass die Funktion der Straße von Hormus, über die 10 Prozent des gesamten Welthandels abgewickelt werden, so wichtig für das Funktionieren der Weltwirtschaft ist, dass die Konfliktparteien in absehbarer Zeit zu Verhandlungsergebnissen gezwungen sein werden. Dies verdeutlicht auch der politische Druck aus den ölproduzierenden Golfanrainerstaaten, die in diesem Jahr einen Einbruch ihrer Konjunktur um bis zu 10 Prozent zu erwarten haben, genauso wie die politischen Interventionen aus China, das trotz seiner Reserven auf die Energielieferungen aus dem Golf angewiesen ist.
Auch in der kommenden Woche sind an den Kapitalmärkten alle Augen auf die Geschehnisse im Persischen Golf und die Verhandlungen der Konfliktparteien gerichtet. Selbst wenn eine Normalisierung der Lieferketten noch Monate dauern würde, wäre ein Durchbruch bei den Verhandlungen an den Kapitalmärkten das Signal, sich wieder vermehrt anderen Themen zuzuwenden. Demgegenüber stehen die Wirtschaftsdaten in ihrer Bedeutung zurück. Aus Deutschland werden Stimmungsindikatoren gemeldet, die einen Aufschluss darüber geben, ob die Unternehmen die Lage ähnlich optimistisch sehen wie die Teilnehmer an den Finanzmärkten. Ebenfalls im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der US-amerikanische Arbeitsmarkt. Hier werden erste Daten für den April anzeigen, ob der Trend zur Abschwächung der US-Konjunktur weitergeht.





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