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Handwerker sein lohnt

eingestellt von Sandra Hessel am 1. Oktober 2018

Tag des Handwerks 2018
Kreishandwerksmeister Wolfram Uhe

Limburg Kammer will mit neuer Imagekampagne Nachwuchs werben – 350 Besucher beim „Tag des Handwerks“

 

Das Handwerk hat sich gestern Abend selbst gefeiert: Als die starke Wirtschaftsmacht von nebenan und als attraktiver Arbeitgeber und Ausbilder. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie junge Menschen dafür begeistert werden können.

VON JOACHIM HEIDERSDORF
Nassauische Neue Presse vom 27.09.2018

 

Von wegen, man findet keinen Handwerker mehr. . . Gestern Abend konnte man etwa 150 auf einen Schlag treffen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Und die Chefs wirkten keineswegs gestresst, sondern gut gelaunt. Kein Wunder; die Auftragsbücher sind so voll wie schon ewig nicht mehr. Sorgen bereitet ihnen nur das Problem, wie sie die viele Arbeit erledigen können – in den nächsten Monaten und vor allem mittel- und langfristig. Beim 12. „Tag des Handwerks“ im Pater-Richard-Henkes-Saal in Limburg mit insgesamt rund 350 Besuchern ging es deshalb auch um das Thema, Nachwuchs für die zukunftssicheren Berufe zu begeistern.

Kreishandwerksmeister Wolfram Uhe kündigte eine dritte Staffel der Imagekampagne an; diesmal unter dem Leitgedanken „Handwerker sein lohnt sich“. Dass das Handwerk vielseitig sei, echte Wertschöpfung erzeuge und für Erfüllung sorge, sei bei den Menschen angekommen. Aber zum Geldverdienen würden gute Schulabgänger dann doch lieber Betriebswirt. „Mit diesem Vorurteil wollen wir aufräumen“, sagte Uhe.

Zu lange seien Jugendliche zum Abitur gedrängt und an die Universitäten gelockt worden. Die Folge seien Fachkräftemangel und ausblutende ländliche Regionen. Dabei wären viele Studenten und Jungakademiker im Handwerk besser aufgehoben gewesen. „Vielleicht würden sie heute einen Betrieb führen, wären ihr eigener Chef und würden gutes Geld verdienen“, sagte Uhe.

Um dies der Zielgruppe zu verdeutlichen, müssten die Türen der Handwerksbetriebe noch weiter geöffnet und neue Ideen umgesetzt worden; zum Beispiel das in einigen Bundesländern bereits erprobte „BerufsAbitur“. „Wir müssen den jungen Menschen und den Eltern das bieten, was sie wollen: die Hochschulreife und gleichzeitig eine handwerkliche Ausbildung“, so der Metallbauer.

Trotz Digitalisierung hätten die Beschäftigten im Handwerk einen der sichersten Arbeitsplätze, die es gibt.

Laut Uhe ist in der Region aber auch die duale Ausbildung wegen der rückläufigen Ausbildungszahlen in Gefahr. „Mit jeder Fachklasse an den Berufsschulen, die aus unserem Landkreis verschwindet, verschwindet auch Fach- und Bildungskompetenz. Damit sinken die Chancen der Wirtschaft, geeigneten Berufsnachwuchs zu bekommen“, warnte Uhe. Wer den ländlichen Raum stärken wolle, müsse die regionalen Besonderheiten annehmen und passgenaue Lösungen finden. In diesem Zusammenhang schlug er andere Kriterien für die Zuweisung von Berufsschülern vor und verlangte Rechtssicherheit bei der Ausbildung von Flüchtlingen. „Ein Lehrling muss nach seinem Abschluss zwei Jahre im Betrieb bleiben dürfen.“

Mitveranstalter waren die Handwerkskammer Wiesbaden und die Kreissparkassen Weilburg und Limburg. Die Bäcker- und Fleischerinnung sorgte für das leibliche Wohl.