Verschnaufpause
Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
Frankfurt, 16. Januar 2026
An den Kapitalmärkten war zu Beginn der abgelaufenen Handelswoche erst einmal Verschnaufpause angesagt. Nach dem ereignisreichen Jahresbeginn an den Krisenschauplätzen Venezuela, Grönland und Iran mussten die Kapitalmärkte diese geopolitischen Entwicklungen erst einmal verdauen. Während im Fall Grönland angesichts der US-amerikanischen Forderungen Diskussionen um stärkere Sicherheitsmaßnahmen begonnen haben, flauten im Iran die Proteste nach der brutalen Unterdrückung durch das Regime ab. Die Befürchtungen einer Blockade der weltweiten Rohölversorgung nahmen etwas ab, weil ein US-amerikanisches Eingreifen vorläufig als weniger wahrscheinlich eingestuft wurde. Alles zusammen ließ die Aktienmärkte zunächst auf einen Konsolidierungspfad einschwenken.
Wenig Auswirkungen auf die Kapitalmärkte hatte dagegen die wieder aufgeflammte Diskussion um die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Präsident Powell hatte sich zu Wochenbeginn mit einer dramatischen Botschaft an die Kapitalmärkte gewendet, in der er eine Vorladung vor Gericht als Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed wertete. Der weiter andauernde Druck der Regierung auf die Notenbank ist tatsächlich eine besorgniserregende Entwicklung. Die Kapitalmärkte werden reagieren, wenn sich diese Weichenstellungen in höhere Inflationsraten übersetzen. In Deutschland war die wichtigste Wirtschaftszahl der Woche das Bruttoinlandsprodukt für das Jahr 2025. Bei einem Wachstum von 0,2 Prozent kann leider bislang nicht vom Ende der Stagnation gesprochen werden. Für die im DAX notierten Unternehmen sind die Zahlen zum deutschen Wachstum jedoch traditionell weniger relevant, weil sie als internationale Konzerne sehr viel stärker an der Entwicklung der gesamten Weltwirtschaft hängen.





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