Risikofreude ist zurück

Risikofreude ist zurück

Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

 

Frankfurt, 28. November 2025

Der deutsche Aktienmarkt legte in der abgelaufenen Handelswoche eine ordentliche Erholung hin. Nachdem in der Vorwoche noch düstere Stimmung über die Bewertung von US-amerikanischen Technologieaktien den Börsianern die Laune verdorben hatte, erinnerten sich diese nun wieder an die Unterschiede zur Internet-Blase Anfang der 2000er Jahre. Diese bestehen etwa darin, dass die gegenwärtigen Akteure im Geschäft mit der Künstlichen Intelligenz (KI) bereits über funktionierende Geschäftsmodelle mit hohen Einnahmen verfügen. Ausdruck dieses neuen Vertrauens war ausgerechnet der Bitcoin-Kurs, der wieder über die Marke von 90.000 US-Dollar anstieg. Die Kursentwicklung der vergangenen Tage unterstreicht einmal mehr, dass Bitcoin kein sicherer Hafen für die Stürme auf den Finanzmeeren ist, sondern im Gegenteil von den Marktteilnehmern eher selber wie eine Technologieaktie gesehen wird. Als weiterer Grund für den Rückgang der Risikowahrnehmung kamen zunehmende Zinssenkungserwartungen für die US-Notenbank hinzu, nachdem sich einige Zentralbanken in diese Richtung geäußert hatten.

Für die Aktienentwicklung in der nahen Zukunft liegt nun zunächst der Fokus auf den Unternehmensberichten zu den Einzelhandelsumsätzen am Thanksgiving-Wochenende in den USA, die wiederum als Hinweis auf den Verlauf des Weihnachtsgeschäfts in der größten Volkswirtschaft der Welt gelten. Hierzulande stehen die Vorzeichen für das Weihnachtsgeschäft der Einzelhändler nicht besonders: Zwar hat sich nach einer Meldung aus der vergangenen Woche die Stimmung der Konsumenten geringfügig verbessert, sie bleibt aber auf dem Niveau des Corona-Lockdowns. Das deckt sich mit einer aktuellen ifo-Umfrage, in der die Mehrheit der Einzelhändler keine Belebung des Weihnachtsgeschäfts gegenüber dem Vorjahr erwartet. Finanzmarktteilnehmer sehen in einer solchen Lage allerdings auch Chancen: Wenn Stimmung und Lage rekordverdächtig schlecht sind, hat sich dies in den Aktienkursen bereits niedergeschlagen, und damit ist die Wahrscheinlichkeit einer Verbesserung höher als die einer weiteren Verschlechterung.

 

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