Ölpreis im Fokus der Kapitalmärkte
Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
Frankfurt, 13. März 2026
Nur kurzzeitig konnte US-Präsident Trump die Märkte etwas beruhigen. Mit der Einschätzung, dass der Iran-Krieg in kurzer Zeit beendet sei, sank der Rohölpreis deutlich, während sich die Aktien- und Anleihemärkte erholten. Danach mehrten sich jedoch schnell Zweifel, ob diese Aussagen realistisch sind. Es erscheint zunehmend schwierig, die iranischen Militärkapazitäten so weit zurückzudrängen, dass Produktion und Transport von Rohöl sich bald wieder normalisieren können. Gerade militärische Operationen bergen große Risiken, und die Gefahr einer längerfristigen Auseinandersetzung ist deutlich gestiegen. Daher wird die Lage im Nahen Osten die Märkte auch in den kommenden Wochen weiter im Griff behalten. Eine physische Knappheit an Erdöl wird sich unter den gegenwärtigen Bedingungen erst in einigen Monaten einstellen, solange reichen Lagerbestände und strategische Reserven aus. Doch die Marktteilnehmer bleiben vorsichtig. Das wird an den Erdölmärkten deutlich, die mehr und mehr Risikoprämien einpreisen.
Für die Wirtschaft im Euroraum bedeuten lang anhaltende Rohölpreise von über 100 US-Dollar pro Fass, dass die Konjunkturprognosen etwa um einen halben Prozentpunkt zurückgenommen werden müssen. Dies wäre kein Zusammenbruch der Wirtschaft, wohl aber eine erhebliche Hypothek für Wachstum und Konsum. Eine regelrechte Ölkrise würde entstehen, wenn die Rohölknappheit dauerhaft zu Preisen deutlich über 150 US-Dollar führen sollte. Dann wäre eine Rezession wahrscheinlich, und die Notenbanken müssten ihre Zinsen nicht erhöhen, sondern eher senken. Die gegenwärtigen Kursziele an den Aktienmärkten würden in die Zukunft verschoben werden. Noch sind dies lediglich mögliche Szenarien, allerdings mit großen Auswirkungen. Ereignisse, Nachrichten und Kommentare von Entscheidungsträgern führen in solchen Situationen zu anhaltenden Kursschwankungen an den Kapitalmärkten.





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