Inflationsrisiken nehmen zu
Kolumne Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank
Frankfurt, 20. März 2026
Die Sorgen an den Kapitalmärkten über die Auswirkungen des Iran-Kriegs nehmen zu. Der Auslöser dafür ist, dass keine Fortschritte bei der Normalisierung der Rohstofflieferungen aus dem Persischen Golf erkennbar sind. Im Gegenteil: Die Angriffe auf Ölförderanlagen auf beiden Seiten der Konfliktparteien nahmen zu. Der Rohölpreis stieg daraufhin deutlich auf über 100 US-Dollar pro Fass. Je länger sich die Lage hinzieht, desto stärker spüren alle Wirtschaftsteilnehmer die Folgen im Alltag, und desto wahrscheinlicher werden auch gesamtwirtschaftliche Folgen, etwa eine Dämpfung der ohnehin nicht überschwänglichen Konjunktur in den europäischen Volkswirtschaften. Die ersten Konjunkturindikatoren drehten in der abgelaufenen Handelswoche bereits in den roten Bereich.
Ein Dilemma stellt die Lage auch für die europäische Geldpolitik dar. Bei hohen Energiepreisen ist die Europäische Zentralbank (EZB) ein gebranntes Kind, weil sie die Inflation nach dem Ausbruch des Ukrainekriegs unterschätzt hatte. Trotzdem sollte man sich die Unterschiede zur heutigen Situation genau anschauen. Damals lag die Inflation bereits vor dem Energiepreisschock bei über 4 Prozent, heute sind es unter zwei Prozent. Wenn es nicht schnell eine Auflösung der Rohölblockade am Persischen Golf gibt, steigt die Inflation im Euroraum in den kommenden Monaten Richtung 3 bis 4 Prozent. Das ist zu hoch, aber weit entfernt von der Horror-Inflation vor drei Jahren. Die EZB wird dann mit Leitzinserhöhungen reagieren, wenn sie in den kommenden Quartalen breite Preisüberwälzungen oder hohe Lohnsteigerungen als Reaktion auf steigende Energiepreise feststellt. Bis zum Herbst kann sie sich mit der Entscheidung Zeit lassen, sollte aber jetzt schon klar kommunizieren, dass sie entschlossen handeln wird, wenn die Inflation in der Breite ins Laufen kommt. Den Aktienmärkten bekamen diese Entwicklung nicht gut: Nach einer Zwischenerholung zur Wochenmitte gaben die Kurse an den deutschen Aktienmärkten im Durchschnitt um 3 Prozent nach.





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