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Statement Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank: Ölpreis – Wohlfühlzone verlassen

eingestellt von Anita Sahi am 9. Mai 2018

Ölpreis – Wohlfühlzone verlassen

Frankfurt, 9.05.2018

 

Der Rohölpreis verlässt die konjunkturelle Wohlfühlzone. Vor dem Hintergrund der guten Weltkonjunktur steigt die Nachfrage zwar nicht stärker als erwartet, aber eben kontinuierlich an. Die Annahme, dass geopolitische Entspannung und ein flexibles US-Angebot den Rohölpreis in Schach halten, geht nicht auf. Von einem Ölpreisschock zu sprechen, ist jedoch verfrüht. Mit allmählichen Preiserhöhungen kann die Wirtschaft deutlich besser umgehen als mit sprunghaften Anstiegen. Sollte jedoch in den kommenden Wochen die Preise Richtung 90 gehen, wären die ersten Abwärtsrevisionen beim weltweiten Wachstum fällig. Das wäre in unseren Augen ein geopolitisches Risikoszenario insbesondere aus der Entwicklung des iranischen Ölangebots heraus.

Da Rohöl ein breit verwendeter Rohstoff ist, sind die Wirkungen von Preiserhöhungen natürlich ebenfalls breit. Ein wichtiger Mechanismus ist eine Einschränkung der Konsummöglichkeiten wegen hoher Preise für Energie, insbesondere Benzin. Das träfe gerade die deutsche Wirtschaft zu eine ungünstigen Zeit, denn bereits ohne höhere Ölpreise läuft der Konsum in Deutschland zurzeit ungewöhnlich flach. Für konjunkturelle Bremswirkungen muss der Preisanstieg allerdings auch nachhaltig sein, also etwa mindestens ein halbes Jahr anhalten. Eine feste Relation zwischen Ölpreisanstieg und BIP-Revision gibt es nicht, denn man hat festgestellt, dass es einen Unterschied macht, ob ein Preisanstieg von einem niedrigen Niveau ausgeht oder schon von einem bereits erhöhten Stand. Gegenwärtig kommen wir ja noch von moderaten Preisen. So belaufen sich bei den gegenwärtigen Preisniveaus in Modellrechnungen die Effekte für die US-Wirtschaft auf ein Viertel bis einen halben Prozentpunkt Wachstumseinbuße auf Jahressicht, sollte sich der Ölpreis nochmals dauerhaft um zehn Prozent verteuern.

Die klassischen Gewinner sind natürlich die Rohölfirmen sowie deren Zulieferer, die in den vergangenen Jahren ja eher eine schwere Zeit hatten. Darüber hinaus ist das Bild sehr heterogen: Luftfahrtgesellschaften leiden, haben allerdings meistens eine längere Zeit ihre Treibstoffpreise noch auf niedrigeren Niveaus abgesichert. Viele Konzerne haben sowohl positive wie negative Einflüsse durch steigende Rohölpreise, wie etwa breit diversifizierte Chemieunternehmen. Und nicht zuletzt muss daran erinnert werden, dass die Effekte für die deutschen Unternehmen auch durch den Wechselkurs beeinflusst werden – und zwar deutlicher als durch die Rohölpreise. Im ersten Quartal ist die Ölrechnung durch einen starken Euro entlastet worden, die Unternehmensergebnisse haben dennoch deutlich gelitten – im zweiten Quartal könnte es umgekehrt ausschauen.

 

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